
Sommer ist schön. In diesem Jahr leider wieder die Saison der braunen Wiesen. Grossstadtversteppung schon Mitte Mai. An den staubtrockenen, harten, ehedem grünen Rasenflächen, ist am einfachsten erkennbar, wie sich anhaltende Dürre und Hitze in der Stadt ausbreiten. Wer genauer hinsieht, wird leicht erkennen, dass auch die Bäume unter der Hitze leiden. Im Unterschied zu den Rasenflächen, die sich im Herbst vielleicht regenerieren, sogar mit längerfristigen negativen Wirkungen, Blattabwurf, Welke, Baumtot.
Zum Beispiel Düsseldorf. Da fällt die Baumbilanz zum ersten Mal negativ aus. Das Gartenamt kann nicht mehr. Immer mehr Bäume, die trocken gefallen und daher gefällt werden, müssen neu gepflanzten werden. Man tut, was man kann, pflanzte wie in den letzten Jahren jährlich 1.500 bis 1.600 junge Bäume, musste aber allein in diesem Jahr 1.900 teils sehr alte Bäume fällen.
Es ist beileibe nicht allein die Hitze. Klimabedingte Stressfaktoren wie Stürme, Starkregen, erhöhte Strahlung und Trockenheit sind weitere Ursachen für den Verlust. Durch sie werden vor allem die rund 60.000 Straßenbäume in der Stadt geschwächt und damit auch anfälliger für Krankheiten, für Pilzbefall und Schädlinge.
Aber auch für die Wälder der Umgebung und gepflegte Gartenanlagen wie der historische Park von Schloss Benrath leben und sterben im Hitzestress. Laut dem Leiter von Park und Schloss, Stefan Schweizer, hat sich das Parkbild hier besonders in den letzten Jahren deutlich verwandelt; eine Korrektur, sei, so Schweizer, in diesen Anlagen schwieriger, weil der Bestand aus denkmalpflegerischen Gründen nicht einfach durch hitzeresistentere Bäume ersetzt werden kann.
Insgesamt gilt: Die heißen Tage der letzten Wochen haben nicht nur zu einer Neubewertung von Klimaanlagen geführt, sondern die Rolle des Stadtgrüns wieder stärker in den Fokus gerückt. Die klimatischen Effekte von Stadtgrün – Bäume wirken in ihrem Umfeld als Temperatursenker, als Feuchtigkeitsspender und binden Feinstaub – sind längst nicht mehr strittig. Stadtgrün ist, um das Bundesumweltamt zu zitieren, das „zentrale Handlungsfeld kommunaler Nachhaltigkeit (…), weil es Innenentwicklung, Lebensqualität und Klimaanpassung miteinander verbindet.“
Urbane Grün-Konflikte

Aber es sind nicht nur die klimatischen Bedingungen, die dem Stadtgrün und insbesondere dem Baumbestand zusetzen. Die Konflikte innerhalb der Stadtentwicklung, bei denen grüne Belange gegen andere Interessen der Stadtgesellschaft oft den Kürzeren zieht, sind keine Ausnahme. Der derzeit eklatanteste Fall in Düsseldorf betrifft den Konrad-Adenauer-Platz vor dem Hauptbahnhof, für dessen Erneuerung zu einem angemessenen Entrée der Landeshauptstadt seit mehr als einem Jahrzehnt Pläne bestehen. Anlass für den aktuellen Neuanlauf – im Juni hat der Stadtrat grünes Licht für den knapp 90 Mio. Euro teuren Umbau gegeben – war die geplante Erneuerung des historischen Bahnhofempfangsgebäudes aus den 1930er Jahren (plus neuer Gleisführungen), für den die Bahn bzw. die Deutsche Bahn Station & Service als Eigentümer und die Stadt einen gemeinsamen Wettbewerb ausschrieben. Dass die Bahn in diesem Zusammenhang noch Zeit und Gelder findet, neben das Bahnhofsgebäude ein 115 m hohes Bürohochhaus in Planung zu geben, kann durchaus verwundern. (Den Architekturwettbewerb gewannen mono Architekten, Berlin zusammen mit Auer + Weber, München sowie die Landschaftsarchitekten GTL, Kassel). Die Konsequenzen des Hochhausbaus wären jedenfalls (aufgrund der notwendigen Anlieferungswege und dem Bau der Tiefgarage) die Fällung der rund 30 vorhandenen schattenspendenden Platanen auf dem Platz. Klaus Kurtz, Bezirksleiter Düsseldorf vom BUND Naturschutz, kommentiert: „Wenn es so kommt, wie die Pläne aussehen, wird der Platz zwar ästhetisch ansprechender, aber in seiner baumlosen Komplettversiegelung im Sommer hitzebedingt nicht mehr nutzbar sein“.

Ein weiterer Fall ist das Gelände der Kesselstraße, ein derzeit braches Areal um eines der noch nicht entwickelten Becken zwischen Industriehafen und Medienhafen. Das dortige Entwicklungsgebiet, das mit seiner Wasserlage hohe Attraktivität verspricht, soll zum Vorzeigestandort entwickelt werden, zu einem urbanen Hafenquartier mit „herausgehobener Architektur“, und „kreativen, imagebildenden Lösungen im Sinne der Adressbildung“, wie es im Vorfeld des Wettbewerbs hieß. Strittig ist auch in diesem Fall die Zukunft der üppigen Bepflanzung der Böschungen entlang der Becken – von mehr als 400 Bäumen ist die Rede – die von Experten auf Bezirksebene als „Wald“ eingeschätzt wird. Auch hier wird man den grün kolorierten Entwurfsplänen der am Wettbewerb beteiligten Büros nicht unbesehen glauben dürfen. Doch auch an der Spitze der Speditionsstraße sollte nach dem Wettbewerb 2000 ein öffentlicher Park entstehen, nun ist es ein Hotel. Noch ist die Entwicklung nicht entschieden. Die „attraktive Wasserlage“ könnte sich schneller wandeln als den Investoren recht sein kann. Anhaltende Dürre lässt selbst den Rhein versiegen.
Dritter Fall ist das ausgedehnte Parkplatzgelände im Umfeld der Düsseldorfer Rheinstadions, das die Stadt gerne zu einem Open-Air-Eventgelände umgestaltet hätte. Seit 2018 sind Planungen hierzu im Gange, gegen welche die Baumschutzgruppe Düsseldorf immerhin erreichen konnte, dass die Zahl der geplanten Baumfällungen erheblich verringert werden konnte.
Man wird indessen der Situation der Stadt nicht gerecht, wenn man sie nur in Konflikten beschreibt. Die seit 2002 bestehende Bürgerinitiative der Düsseldorfer Baumschutzgruppe ebenso wie der BUND Naturschutz arbeiten laut den Akteuren gut mit dem Gartenamt der Stadt zusammen. „Wir helfen, so Kurtz, beispielsweise, indem wir regelmäßig eine größere Zahl an Standorte für Neuanpflanzungen aus unserer lokalen Kenntnis der jeweiligen Situationen vorschlagen. Andererseits seien die jährlichen Baumbilanzen, die hier wie andernorts von den Ämtern präsentiert werden, um ihre Anstrengungen nachzuweisen, nur die halbe Wahrheit. Sie lassen außer Acht, dass neue angepflanzten Bäume bei weitem nicht die erwünschten Klimaeffekte haben wie ältere Bäume mit ausladenden Kronen. Angemessener für stichhaltige Bestandsaufnahmen wäre, so Ulrich Schürfeld, Vorsitzender der Baumschutzgruppe Düsseldorf, der „Deckungsgrad“ von Bäumen, der in detaillierten Luftaufnahmen ablesbar wäre. Für Schürfeld ist die Planungspolitik der Stadt insgesamt zu überprüfen, die überwiegend nach ökonomischen Interessen ausgerichtet sei und die Bedürfnisse der Bewohner dabei immer wieder außer Acht lasse.
„Natürlich Hamburg“
Eine veränderte Planungskultur, bei der die Umfeld-Begrünung stärkere Beachtung, vielleicht sogar Vorschrift wäre? Angesichts der hohen Baukosten ist auch dieser Weg mit Fragezeichen versehen. Ein anderes Stichwort wäre die Verlagerung der Verantwortlichkeiten und der Kosten. Bislang nämlich stellen Maßnahmen zur Klimaresilienz der Städte (einschließlich der Hitzepläne) keine Gemeinschaftsaufgabe des Staates dar, sondern fallen als mehr oder weniger freiwillige Aufgabe in den Bereich der Kommunen. (Immerhin wurde vor kurzem ein Prüfauftrag erteilt, ob der Bund Hitzeschutz als Gemeinschaftsaufgabe übernimmt). Die Kommunen aber haben bekanntlich immer weniger Geld, während ihre Gartenämter mit der zunehmend anspruchsvollen Arbeit der klimatischen Resilienzstärkung der Städte einschließlich der Hitzeschutz-Maßnahmen kaum nachkommen.

Aussicht in dieser Lage versprechen derzeit Anträge auf Förderungen durch den Bund. Auf diesem Weg erfolgreich scheint in den letzten Jahren die Freie und Hansestadt Hamburg zu sein, die 2017 mit einem Projekt namens „Natürlich Hamburg“ zugleich neue Wege in der Parkpflege ging. Es handelt sich um das erste Naturschutzgroßprojekt einer deutschen Großstadt, dessen Ziel sich nicht nur auf den Erhalt von vorhandenen Grünanlagen richtet, sondern auf eine stärker ökologisch geprägte Entwicklung mit dem Einsatz von Wildpflanzen setzt. Zusätzlich hat die Stadt 2021 mit dem Nabu einen Vertrag unterzeichnet, der den Erhalt und zur Erweiterung von Hamburgs Grün vertraglich in der Verwaltung verankert; Ziel ist die Sicherung grüner Flächen in Gestalt von 10 Prozent der Landesfläche als Naturschutzgebiet.
Plancanicule
Bei all dem dürfen schließlich auch diejenigen nicht vergessen werden, für die die Hitzephasen in den Städten oft genug tödlich endet, die älteren und alleinlebenden Menschen. Weiter als in Deutschland ist man in diesem Punkt im leidgeprüfteren Frankreich. Im Zentrum der landesweiten, neu eingeführten, je nach Hitze abgestuften Notfallpläne „plancanicule “der französischen Regierung steht die regelmäßige telefonische Kontaktierung alleinstehender älterer oder behinderter Menschen über 60 Jahre durch die Behörden und wenn nötig ihre Verbringung an gekühlte Orte.
Frank Maier-Solgk
Hitzeschutz nach Kassenlage
ein Kommentar von Uli Schürfeld
Endlich wurde er veröffentlicht, der Hitzeaktionplan (HAP) für die Stadt Düsseldorf: Im November 2025, es wurden schon die ersten Schneeschauer vorausgesagt, legte das Gesundheitsamt ihn nach vier Jahren Arbeit vor. Interessant ist nicht nur was drin steht, sondern auch was nicht erwähnt wird, aber in einem Plan für den Hitzeschutz stehen sollte.
Ausreichend Trinken reicht nicht aus
Wichtige Empfehlung im vorgelegten HAP: Bei Hitze ausreichend trinken.
Mit dieser Empfehlung wird die Verantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung auf jede:n Bürger:in übertragen. Wenn es einem also bei Hitze schlecht geht, ist man selber „Schuld“, er oder sie hat zu wenig getrunken. Eine solche Empfehlung ist eines modernen öffentlichen Gesundheitswesens nicht würdig. Weit aus fürsorglicher wäre es, wenn die Stadt Hitzeschutzmaßnahmen bereitstellt und sie der Bevölkerung bekannt macht, darüber hinaus die Risikogruppen identifiziert und entsprechend zielgenaue Angebote des Schutzes vor Hitze zur Verfügung stellt. Ein Angebot dieser Art sind sicherlich die Trinkwasserbrunnen, die in den letzten Jahren überall in der Stadt in den Sommermonaten aufgestellt werden. Die bisher erreichte Anzahl von 60 Trinkwasserbrunnen zeigt jedoch, dass hier das Tempo erhöht werden muss, um ein kostenloses Trinkwasserangebot allen Menschen zur Verfügung zu stellen.
Der HAP benennt als schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen alte Menschen, Schwangere, Kinder, chronisch Kranke und obdachlose Menschen etc. Eine sehr kleine Risikogruppe, die in einem HAP explizit genannt werden sollte, sind alle Dialysepatient:innen, auch wenn sie nur weniger als ein Prozent der Stadtbevölkerung ausmachen. Die betroffene Bärbel Roozitalab (65 Jahre) berichtet: „Seit 10 Jahren bin ich dabei und gehe dreimal die Woche zur Behandlung. Bei vier Stunden Dialyse kann nur maximal 3000 ml Flüssigkeit entnommen werden. Wenn ein Patient mehr „dabei“ hat, muss er am nächsten Tag zur Zwischendialyse kommen. Denn zuviel Körperflüssigkeit geht auf das Herz und ist auf Dauer ungesund.“ Menschen mit Niereninsuffizienz können also der Empfehlung, „ausreichend“ zu trinken, nicht folgen und daher nur schwer auf Hitze reagieren. Hier könnte helfen, wenn ihnen in ihrer – überhitzten – Wohnung ein Kühlgerät zur Verfügung gestellt würde.
Hitzeregister für eine gezielte Hilfe nötig
Erst im Anhang, in dem Bericht zu den in Frankreich ergriffenen Maßnahmen, wird ein „Hitzeregister“ erwähnt. Ist für Düsseldorf ein solches Register aller Menschen der Risikogruppen nicht geplant? Ein solches Hitzeregister ermöglicht es der verantwortlichen Behörde, in Hitzetagen Personen telefonisch zu kontaktieren und sich nach ihrem Befinden zu erkundigen – eine wahre Fürsorge für eine große Anzahl von Menschen, die ein besonders Risiko haben. Nach den deutschen Datenschutzbestimmungen muss dazu das Einverständnis von jeder Person eingeholt werden; es bedeutet somit viel Arbeit ein solches Hitzeregister zusammenzustellen; mir erscheint dies aber notwendig. Die Stadt Köln hat damit bereits begonnen, noch bevor ein HAP vorlag – denn beginnt man erst damit, wenn die Hitze in der Stadt ist, ist es zu spät.
Hitzeschutz gibt es nicht für Lau
Die digitale Düsseldorfer Karte mit „kühlen Orten“ ist ein guter Anfang, die heute schon auf www.duesseldorf.de/umweltamt →stadtklima aufgerufen werden kann. Diese Orte sollen noch um „Cooling Center“ erweitert werden; das Wiener Vorbild wird vom Roten Kreuz in einem Shopping-Center betrieben. Es bleibt zu klären wer die Kosten für diese Cooling Center trägt, denn sie müssen ja extra eingerichtet werden und ausgebildetes Personal zur Betreuung der Hitzeschutzsuchenden ist vorzuhalten. Gerade für ältere Menschen könnten auch unsere „Zentren plus“ eine Anlaufstelle sein; sie liegen meist in Fußwegnähe und sind den Menschen bekannt. Solche bekannten Orte sollten ertüchtigt werden, denn wir werden mit Hitzeperioden zukünftig häufiger konfrontiert sein. Ebenso sind diese Maßnahmen nicht von den „personellen und finanzielle Kapazitäten“ abhängig zu machen, wie es im HAP für Düsseldorf heißt. Hitzeschutz nur nach Kassenlage – ein Unding aus Sicht des Gesundheitsschutzes. Nur gut, dass uns der Hitzeaktionsplan in der kalten Jahreszeit vorgelegt wurde, so bleibt noch Zeit die fehlenden Maßnahmen reinzuschreiben und sie zu organisieren, denn es ist eine Pflichtaufgabe für ausreichenden Schutz vor Hitze zu sorgen.
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