Palermissimo

Das ganze Jahr Palermo

Salute! Bittersüßer Aperitif mit Kräuteraromen

Warum sollte es Städtepartnerschaften besser gehen als anderen Partnerschaften? Meist beginnen sie euphorisch und enden in einem langen Schweigen. So mit Reading, Haifa und Chemnitz. Die Partnerschaft Düsseldorf-Moskau „ruht“ seit 2022.

Anders die mit Palermo. Sie hält schon stolze zehn Jahre. Also wird ein ganzes „Palermojahr“ lang gefeiert.

Apropos Palermo

Da tritt in den frühen sechziger Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie Blinky Palermo auf. Ein gutes Omen. Der eher schmächtige Künstler, Freund von Weltmeistern wie Imi Knoebel, Sigmar Polke und Gerhard Richter machte gerne auf dicke Hose: Lederjacke, Hut und Sonnenbrille. Das gab ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Mafioso. Schon hatte er seinen Spitznamen weg. Weil die schöne Stadt auf Sizilien nun mal für die Mafia weltberühmt ist.

Kopf der Palermobande. Michael Kortländer

Nach Palermo ist Palermo dann nie gekommen, er starb frühvollendet auf den Malediven. Aber immerhin gibt es jetzt in Palermo ein „Haus der Kunst“. Prominentes Projekt der Städtepartnerschaft ist „Haus der Kunst #1“ auf dem ehemals industriell genutzten Gelände der Cantieri Culturali alla Zisa. Die Stadt Palermo sanierte die alte Möbelfabrik Ducrot auf dem neuen Kulturcampus und stellt sie dem Verein kostenfrei zur Verfügung, Düsseldorf leistet den Ausstellungsetat. Michael Kortländer wird Ausstellungsleiter und Programmmacher und ist bis heute Herz und Seele der selten lebendigen Städtepartnerschaft. Fünf Ausstellungen im Jahr können dort gezeigt werden. Dazu ist Platz für einen Residenzkünstler aus Düsseldorf.

Im Oktober 2016 wurde die erste Ausstellung eröffnet. Zehn Künstler aus Düsseldorf treffen auf zehn aus Palermo. Aus Düsseldorf u.a. Felix Droese, Jan Kolata, Birgit Jensen, Udo Dziersk, Stefanie Pürschler, Wanda Koller, Frank Hinrichs, Jan Holthoff, aus Palermo Giuseppe Agnello, Fulvio Di Piazza, Andrea Buglisi, Giuseppe Adamo, Andrea Stepkova, Daniele Notaro, Erika Giacalone, Valeria Prestigiacomo, Grazia Inserillo, Azzurra Messina und Giampiero Chirco.

Unterdessen hat sich Zisa zu einer Brutstätte für kreative Unruhe entwickelt, ein neues kulturelles Zentrum abseits der Touristenpfade, Anschluss der Kunstszene Palermos an die Kunstmetropolen der Welt. Traditionelle Theater haben sich hier ebenso angesiedelt wie das kommunale Kino, ein Marionettentheater neben dem Tanzhaus, die Kunstakademie wie auch das Goethe-Institut oder das Institut Francais. Man kann nur hoffen, dass das Haus der Kunst Palermo weiter offenbleibt.

Natur und Geister

Goethe, immerhin, kam bis Palermo. Der Italienreisende stieg auf den Monte Pellegrino („das schönste Vorgebirge der Welt“) zum Heiligtum der Santa Rosalia, besuchte den Botanischen Garten und war von Palermo überhaupt begeistert: ein „irdisches Paradies“ voller Duft, historischer Vielfalt und mediterraner Lebenskraft.

Im Düsseldorfer Goethe-Museum und im Archivo Communale von Palermo wird „Natur und Geister“ zu sehen sein.    

Das Goethe-Museum Düsseldorf lädt Künstlerinnen und Künstler ein, sich mit Themen wie Natur, Geist und Monstrosität zu beschäftigen. Ausgangspunkt ist Goethes Sizilienreise 1787 und seine Zeichnungen der Geisterfiguren der Villa Palagonia. 14 Positionen aus Düsseldorf und Palermo werden in beiden Städten ausgestellt.

Vom Tyrrhenischen Meer an den Niederrhein. Giovanni Rizzuto und Eva Oliveri

Von Palermo nach Düsseldorf zog es Giovanni Rizzuto und seine Frau Eva Oliveri. RizzutoGallery ist ein Kind der Städtepartnerschaft. Im August 2024 schlug die Palermotanische Galerie auch im Galerienviertel Flingern auf. Auf Anregung der Gründer des Vereins „Düsseldorf-Palermo“ kam es dazu, Düsseldorf regelmäßig zu besuchen und mit lokalen Künstlern zusammenzuarbeiten, darunter Katharina Maderthaner, die als erste deutsche Künstlerin ins Programm kam. Unterschiede zwischen Palermo und Düsseldorf? Hier eine aktive Rolle der öffentlichen Institutionen und eine andere Kauffreude der Sammler.

„Quello che so di te“, – Was ich von dir weiß, heißt er neue Roman von Nadia Terranova, Mutterschaft, Identität und das Schreiben sind ihre Themen. Die Autorin kam im Zuge des Palermojahrs nach Bilk und las aus ihrem Roman auf Italienisch.

Wundervoll auch die Ausstellung „Palermo“ im Atelier am Eck. Im Jubiläumsjahr zeigte Margherita Pedrotta ihre poetischen Werke. Objekte und Fundsachen, Möbel, Zeitschriften, Fotografien, Klangspuren – werden von der Künstlerin aufgenommen und in eigene künstlerische Werke transformiert.

PALERMOPER der Zukunft

Jetzt wo das mit der Oper der Zukunft in Düsseldorf nichts mehr wird, gerät der Blick nach Palermo noch sehnsuchtsvoller. Da steht das berühmte Teatro Massimo in der Altstadt, schön, groß und ungemein populär. Wäre doch eine Idee für die Zukunft: Ein Opern-(Aus)tausch zur Belebung der Partnerschaft in den nächsten zehn Jahren!


Düsseldorf-Palermo Fest

Kulturfest am KIT am 9. August 2026

Gemeinsam mit dem Verein Düsseldorf-Palermo e.V. und dem KIT Café feiert die Landeshauptstadt Düsseldorf das zehnjährige Jubiläum der Städtepartnerschaft mit der sizilianischen Hauptstadt Palermo.

2026 – Palermo Santa Rosalia Edition

Vom 14. bis 16. August 2026 findet an der Düsseldorfer Rheinuferpromenade die dritte Ausgabe des Festival D’Italia Düsseldorf statt. Das Festival lädt dazu ein, italienische und sizilianische Kultur und Kulinarik in besonderer Atmosphäre am Rhein zu erleben. Besucherinnen und Besucher erwartet ein vielfältiges Angebot italienischer Spezialitäten – von Pizza, Pasta und Porchetta bis hin zu Cannoli und klassischen Aperitivi. Ergänzt wird das Programm durch musikalische und kulturelle Beiträge italienischer Künstlerinnen und Künstler.

zur DC open zeigt RizzutoGallery
Mattia Barbieri – Metin Çelik
Two Artists One Studio
04. September bis 24. OKtober
Ackerstraße 34, 40233, Düsseldorf


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