
Hoppla. War da was? Am Grand Palais lässt nichts, aber auch gar nichts mehr erahnen, dass hier bis zum Vortag 20 Uhr die Art Basel Paris 2026 zu sehen war. Sie ist wie vom Erdboden verschluckt. Kein Banner mehr, kein Plakat, keine Absperrung, keine Kasse, rein gar nichts mehr weist auf die Art Basel Paris hin, die doch bis zum Sonntagabend das wesentlichste künstlerische Ereignis in Paris sein sollte. Selbst in der weiteren Umgebung wurde jeder Hinweis entfernt. So als habe die Art Basel Paris 2026 gar nie stattgefunden. Das Gebäude ist an allen Seiten verschlossen. Auch hier private Sicherheitskräfte. Im Innenraum, in der großen Halle, stehen noch die leeren Messestände. Am Vorabend hingen hier über 3.600 Kunstwerke an den Kojenwänden, zu einem überwiegenden Teil hochpreisig. Vorsichtig geschätzter Gesamtversichungswert gut 300 Millionen Euro. Auch alle Kunstwerke sind wie vom Winde verweht. In einer logistisch kaum vorzustellenden Aktion wurde offensichtlich das alles über Nacht abgebaut und an sichere, geheime Lagerorte gebracht. Der Abbau einer Kunstmesse dieses Ausmaßes nimmt sonst drei Tage in Anspruch. War hier Panik im Spiel? Weshalb wurden auch die Kassenkojen, die Garderobe, also alles, was auf die Art Basel Paris hinwies, peinlich genau entfernt? Ein Rätsel, ein Unding, das über den fragilen gesellschaftlichen Status der Kunst (des Kunstmarkts?) sehr viel aussagt. Stellen wir uns einen Besucher vor, der vor drei Wochen auf der Webseite der Art Basel Paris ein Ticket für diesen Samstag erwarb und vom Abbruch der Veranstaltung – die erst am Donnerstagnachmittag verfügt wurde – keine Kenntnis hatte. Der stand dann heute vor dem Grand Palais und dachte: „Verrückt! Da ist doch diese Kunstmesse groß angekündigt? Ist die jetzt ausgefallen? Bin ich verrückt?“ Dabei ist jedoch nicht er, sondern ein ganzes System verrückt. Samstag, 24. Oktober 2026. Vorletzter Tag der Art Basel Paris. Zuvor drei VIP-Tage. Wie eine Woche zuvor, findet eine Großdemo für bessere Schulen und gegen die allgemeine Teuerung statt. Die wird allerdings von den Behörden an den Stadtrand verlagert. Damit finden auch die Straßenschlacht mit linken und rechten Extremisten dort statt.

In der Innenstadt haben ganze Straßenzüge lang sämtliche Geschäfte flächendeckend ihre Glasfassaden und Schaufenster mit Sperrholz verkleiden lassen, so auch die Fondation Cartier pour l’Art Contemporain. An jedem Geschäftsportal stand zahlreiches zusätzliches (schwarzes) Sicherheitspersonal, zumeist aus den Banlieues, das offensichtlich mit den (gleichfalls zu einem großen Teil schwarzen) Randalierern, gleichfalls aus den Banlieues unabhängig von der Polizei den Kampf aufnehmen sollte. In den Autokonvois mit Ministern und hohen Beamten fuhr hinter dem Dienstwagen jeweils ein Schützenpanzerwagen durch die Straßen. Das sah ich in 45 Jahren in Paris noch nie. Sämtliche Museen waren geschlossen, der Louvre sogar weiträumig abgesperrt, verschlossen mit den uralten Eisengittern des früheren Königspalastes, die die schon Revolution von 1789 verhindern sollten, vergeblich, wie wir wissen.
Robert Fleck

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