Mack im Glück

Heinz Mack zum 95. Geburtstag

Heinz Mack in seinem Atelier auf dem Huppertzhof in Korschenbroich

Zwischen den drei Gebäuden des Huppertzhofs, einem der ältesten Gehöfte des Niederrheins, läuft er den unregelmäßig mit alten Pflastersteinen ausgelegten Weg entlang, um die Bewegung zu üben und seine Gelenke am Laufen zu halten. Ebenso wie jeder Tag nach der Lektüre der F.A.Z. und der Jüdischen Allgemeinen (aus dem Bewusstsein, was seine Landleute dem jüdischen Volk zu verantworten haben) mit Morgengymnastik beginnt. Er, der nie Sport betrieb, legt Serien von ärztlich angeratenen Gelenk- und Körpergewichtsübungen hin, die viele von uns nicht hinbekämen.

Zu dieser persönlichen Ökonomie gesellt sich eine künstlerische. Täglich im selbsterrichteten Glas-Atelier zu stehen, etwa vier Stunden lang am Vormittag, dann zwei bis drei Stunden in der zweiten Hälfte des Nachmittags. Dazwischen Mittagessen mit seiner Frau Ute und der gemeinsamen Tochter Valeria und Marc Mack, ihrem Ehemann. Der hat den Familiennamen Mack angenommen, gab seinen Beruf auf, um fulltime im Atelier Mack mitzuarbeiten. Am Mittagstisch wird alles besprochen, was kunstbetrieblich ansteht. Dann zieht sich Heinz Mack in sein Musikzimmer zurück, wo er, der ursprünglich als Konzertpianist ausgebildet wurde, etwa 20 Minuten lang auf einem gut gestimmten Steinway-Flügel spielt, ganz für sich: Gershwin, de Falla, Ravel, Bach. Auswendig. Konzertniveau. Diese Musikalität, Melodien, Rhythmen, Präzision, spielen in seiner gesamten bildenden Kunst eine grundlegende Rolle. Das wäre auch mal eine Doktoratarbeit wert. Darauf folgt eine längere Siesta, dann wieder das kurze Lauftraining bis ins Glasatelier, wo er bis zum Einbruch der Dämmerung weiterarbeitet.

«An malerischen Bildern arbeite ich immer nur, wenn die Sonne scheint », berichtete er bei einer unserer Begegnungen. « Herr Mack, jetzt verstehe ich erst Ihre ‘Chromatischen Konstellationen’ » – « Aber Sie haben doch schon diesen wichtigen Text darüber geschrieben. » « Ja, aber manchmal hört man nicht das zentrale Ateliergeheimnis. »

Da sind lichterfüllte Pastelle, im letzten Herbst auf Ibiza gemalt, wo Heinz und Ute Mack seit langer Zeit ein abgeschiedenes Refugium in einer uralten Finca haben, aus deren Atelierfenstern er bis nach Afrika und in das entsprechende Licht blickt. Das Refugium in Ibiza ist eines der Geheimnisse seiner unglaublichen Form.

In der Ausstellung in der Galerie Beck & Eggeling in Düsseldorf finden sich zwei umwerfende Werkgruppen, die er an der jahrelangen Arbeit an « Mack – en face », das im Mai 2025 erschien, nie zeigte. Sie sind wohl seither entstanden. Davon hatte er uns im Team für « Mack – en face » – das große Vermächtnis, das wir zusammen machten, mit Sophia Sotke, Antonia Lehmann-Tolkmitt, Florentine Bücker – nie etwas angedeutet, dass diese beiden Werkreihen in der Entwicklung waren. Diese koloristisch so innovativen Aquarelle aus Ibiza und die neuen, buchstäblich « frechen » Collagen aus dem letzten Winter im Atelier in Mönchengladbach.

Wie wird ein Werk bleibend? Das ist eine große Frage. Man hat dafür als unabhängiger Kunstmensch keine Formel. Bei Heinz Mack wird es wohl so, weil er es so unablässig weitertreibt.

Eine wesentliche Frage ist, wie das Werk weiterlebt. Dazu ist die Gründung der Mack-Foundation im Dezember 2024 die gute Nachricht. Das hat, persönlich gesagt, das Niveau wie das Musée Soulages, in Rodez, dem Nachlass von Pierre Soulages, den ich ich bis 2031 mitberaten darf.

Man fragt sich ja, weshalb eine Mackfoundation gegründet wurde, wenn es die ZERO-Foundation schon gibt. Heinz Mack war Initiator und Mitbegründer von ZERO (1957-1966), doch löste er ZERO 1966 wieder auf. ZERO waren acht Jahre seines Lebens. Die Mackfoundation hat für Jahrzehnte hinweg ein Stiftungskapital, ist mit den politischen Instanzen in NRW und Mönchengladbach abgestimmt und mit einem Aufsichtsrat versehen, wie man das in Europa wohl nur in NRW kennt.

Heinz Mack hat am Sonntag, 8. März 2026 seinen 95. Geburtstag gefeiert – und überrascht mit einer brillanten Ausstellung neuer Arbeiten in der Galerie Beck & Eggeling.

Heinz Mack steht auch heute Montag wieder im Atelier. ((vielleicht too much? Sehe mal)) Wir haben da auch ein Treffen mit seiner Ehefrau Ute Mack und seinem Schwiegersohn Marc Mack, gleichfalls Vorstandskollegen in der Mackfoundation, für seine Beteiligung an einer Ausstellung in Istanbul im April, die dann von der neuen Hauptgalerie Almine Rech, Paris, London, New York, Brüssel, Shanghai, Monaco und Gstaad, bestückt wird. Das sind wohl gute Nachrichten. Also grüßen und beglückwünschen wir ihm zum 95.

Heinz Mack mit dem Autor, 9.3.2026 Foto: Sofia Sotke/Atelier Mack

„Meine Kunst ist auch eine Art Opposition gegenüber der Hässlichkeit der Welt und gegenüber den Mächten, die hemmungslos zerstören, was andere aufgebaut haben. Und außerdem bekenne ich mich zur Schönheit in einem universalen Sinn, die von vielen infrage gestellt wird.“

Heinz Mack, 2026


Hinweis

„En Face“ – „Gegenüber“. Hirmer-Verlag, 344 Seiten, mit zahlreichen Fotografien und Werkabbildungen, 49,90 Euro

Darin berichtet der Kunsthistoriker Robert Fleck, Jahrgang 1957, von Leben und Werk Heinz Macks (geb. 1931). Der Österreicher ist tätig u.a. als Kurator, Buchautor und war Leiter der Hamburger Deichtorhallen und der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle. Seit 2012 war Fleck Professor für Kunst und Öffentlichkeit an der Kunstakademie Düsseldorf, die er im Sommer 2025 verlassen hat.

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