
Eine Meldung lässt aufhorchen. „Liebe Kunstfreunde“, schreibt das Berliner Auktionshaus Grisebach, „wir freuen uns, Ihnen heute mitzuteilen, dass Dr. Antonia Lehmann-Tolkmitt zum 1. März die Leitung unseres Büros in Düsseldorf übernommen hat.“ Die Personalie überrascht. Als neue Leiterin der Grisebach Repräsentanz in Düsseldorf, betreut die Kunsthistorikerin künftig ganz Nordrhein-Westfalen und dazu die Benelux-Länder. Die Jubiläumsauktionen am 4. und 5. Juni stehen in Berlin an. Da gibt es viel zu tun. Das einst führende Auktionshaus Grisebach – Kennerschaft, Kompetenz, Vertrauen – wird in diesem Jahr 40 Jahre alt und möchte die alte Spitzenposition zurückgewinnen.

Die neue Repräsentantin ist im Rheinland bestens vernetzt. „Wir freuen uns auch zukünftig auf einen regen Austausch“, wünscht sich Grisebach noch. Antonia Lehmann-Tolkmitt ist in der Jury des Internationalen Bergischen Kunstpreises der Nationalbank AG, ist Mitautorin von Mack – En Face, einer Künstlerbiografie zu Heinz Mack, die im vergangenen Jahr erschienen ist. Seit 2025 ist sie zudem Vorsitzende des Vorstands der ZERO foundation.
Überschneidungszusammenhänge?
Gleich mit Beginn ihrer doppelten Funktion, geriet sie in schwere Wetter. Zum 95. Geburtstag ihres Gründungskünstlers hat sich Lehmann-Tolkmitt und die ZERO foundation nämlich etwas Besonderes einfallen lassen. Erstmals soll es eine „Mack-Lecture“ geben. Der Schriftsteller und Journalist Niklas Maak soll mit „Fernlicht. Wahrnehmungsintensivierung im Werk von Heinz Mack“ die jährlich geplante Vortragsreihe eröffnen. Doch schon um die erste Mack Lecture gibt es reichlich Wirbel.

Geplant war es, die Mack-Lecture in der Aula der Kunstakademie Düsseldorf stattfinden zu lassen. In der Kunstakademie hatte Heinz Mack ab 1950 studiert, seit 2016 ist er Ehrenmitglied, 2017 zeigte die Akademie-Galerie die Ausstellung „Heinz Mack. Zero-Malerei“. Doch kam es jetzt zur Absage seitens der ZERO foundation. Heinz Mack wurde vorab nicht informiert.
Der Umzug in die Universität, Hörsaal 3A, wurde nötig. Die ZERO foundation und mithin ihre Mack-Lecture gerieten in die anhaltende Auseinandersetzung mit Antisemitismus an der Kunstakademie Düsseldorf. Der Düsseldorfer OB, Stephan Keller, ist zugleich Kuratoriumsvorsitzender der ZERO foundation. Keller aber fordert die Rektorin der staatlichen Kunstakademie zum Rücktritt auf. Ein einmaliger Vorgang. Keller ist Erstunterzeichner einer Petition, die Donatella Fioretti vorwirft, die Künstlerin Basma al-Sharif in die Akademie eingeladen zu haben, obwohl von ihr pro Hamas-Äußerungen bekannt waren, in denen sie zur Zerstörung Israels aufgerufen hatte.
Die Kunstakademie verliert in Düsseldorf an Rückhalt. Das Verhältnis der Akademie zu der Stadt, in der sie steht und deren Namen sie trägt, ist zerrüttet wie nie zuvor. Keller meint es mit seiner Haltung offenbar ernst. Sein Kurs ist klar: Keine Toleranz für antisemitische Taten oder sie unterstützende Äußerungen. Solange Fioretti nicht zurücktritt, wird es keine Zusammenarbeit oder Kooperationen mit der Kunstakademie geben.
Keller weigerte sich erstmals, am traditionellen „Rundgang“ der Kunstakademie teilzunehmen. Alle städtischen Institute haben eine Zusammenarbeit mit der Kunstakademie auf Eis gelegt. Fioretti weigert sich bislang, den Rücktrittsforderungen nachzukommen. Die Fronten verhärten sich. Was wird mit der Galerie-Akademie am Burgplatz? Soeben hat die Kunstakademie bekannt gegeben, Ruth Noack als neue Professorin für Kunst und Öffentlichkeit berufen zu haben. Die Kunsthistorikerin und Ausstellungsmacherin soll auch die Leitung der Akademie-Galerie übernehmen. Die Stadt überlässt die 600 qm große Ausstellungsfläche der Akademie bisher kostenlos. Auch die Kunstsammlung der Akademie wird bisher vom Kunstpalast kostenlos betreut. Auch hier hat Keller den Kuratoriumsvorsitz inne.
Nun sah sich die ZERO foundation gezwungen, ihre Veranstaltung in der Kunstakademie abzusagen. Heinz Mack, der täglich die „Jüdische Allgemeine“ liest, 2017 mit der Moses Mendelssohn Medaille für seine Bemühungen als Künstler ausgezeichnet, sich auch dem Gedenken an die Schicksale verfolgter und ermordeter Menschen zu widmen, wird an der ersten Mack Lecture teinehmen und ein ein Grußwort sprechen. Die Begrüßung wird allerdings nicht durch die Vorsitzende der ZERO foundation, Lehmann-Tolkmitt, erfolgen. Jürgen Wilhelm vom Vorstand wird einspringen. Auf die Diskussion mit Niklas Maak, Heinz Mack und Robert Fleck am Ende der Veranstaltung darf man gespannt sein.

Mack Lecture
Di. 28. April 17.00 Uhr
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Hörsaal 3A
Die Veranstaltung ist öffentlich. Eintritt frei.
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