Ratlos

ins Abseits?

Kunsthalle Düsseldorf im künstlichen Koma

„Derzeit“ heißt es in der offiziellen Verlautbarung zur Kunsthalle. „Derzeit arbeitet die Landeshauptstadt Düsseldorf an einem umfassenden Gesamtmaßnahmenpaket.“ Wer derart die Backen aufbläst, hat wenig zu pfeifen. Wie lange dauert derzeit?

Kunsthalle auf der Abbruchkante

Gesamtmaßnahmenpaket klingt großartig. Ein Überraschungsei. Vielleicht springt der Sanktnimmerleinstag da heraus. Niemand weiß mehr, was da rund um die Kunsthalle gespielt wird. Das Vertrauen in die städtische Kulturverwaltung schwindet und ist durch die Verschiebaktion keineswegs gestiegen. Schon einmal wollte die Stadt die Kunsthalle abreißen. Clara Gerlach, Kulturbürgermeisterin der Stadt (Die Grünen) hofft nun, irgendwann Anfang 2027, einen Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss im Stadtrat erreichen zu können. Bis dahin müssten die Abstimmungen mit dem Land NRW (u.a. Sanierung der Tiefgarage des K20), dem Denkmalamt dem Planungs- und Verkehrsamt, etc. abgeschlossen sein. Das alles liegt seit Jahren auf demTisch. Oder doch weg mit dem Ding? Derzeit droht der Grabbeplatz ein Loch ohne Boden zu werden.

Zehn Jahre Hängepartie

Anfang 2022 hat der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf die Sanierung der Kunsthalle Düsseldorf beschlossen, die Kosten stiegen und stiegen auf über 40 Millionen Euro, die Bauzeit wurde mit drei Jahren angegeben, könnte aber nach den bitteren Erfahrungen bei Baudenkmalen auch wesentlich länger dauern. Nun kommen nochmals drei Jahre für das ominöse „umfassende Gesamtmaßnahmenpaket“ obendrauf.

Zehn Jahre Hängepartie am Grabbeplatz (mindestens) hält selbst die stärkste Kunsthalle nicht aus. Kunsthallendirektor Gregor Janssen wurde schon vor Jahren entlassen, auf eine Nachfolge verzichtet, die Verträge mit Mietern und Mitnutzern (Kunstverein, Kömmödchen, Salon des Amateurs, Buchhandlung König) gekündigt. Doch bevor sich überhaupt der erste Akkuschrauber dreht, hat die städtische Kulturpolitik ihre einst stolze Kunsthalle in Grund und Boden ramponiert.

Unterdessen hat Miram Koch (Die Grünen), Dezernentin für Kultur und Integration ein Change Management verordnet. Wohin das führen soll, wie lange das währen soll, ist derzeit offen. Ob das KIT, auch das derzeit ohne Leitung und Perspektive, überhaupt weiter betrieben wird, ist ebenso in der Schwebe wie die Kunsthalle insgesamt. Koch, ausgebildete Diplombibliothekarin und seit Anfang diesen Jahres auch zuständig für Gesundheit, wirkt überfordert.

„Derzeit“ wird zum Lieblingswort ratloser Politiker

Der Aufsichtsrat soll nun über das „wie weiter?“ der Kunsthalle schon in der nächsten Sitzung beschließen. Vor allem darüber, ob es jetzt zu einer vielfach geforderten Neubesetzung der Leitung kommt. Auch darüber, ob die Sanierung weiterhin den Architekturbüros Stöbe Architekten, Düsseldorf und Molestina Architekten + Stadtplaner, Köln anvertraut werden kann? Doch dem Aufsichtsrat gehen derzeit die Mitglieder flöten. Mehrere Personen haben sich teils aus Protest aus diesem Leitungsgremium verabschiedet. Wer sich in der völlig verhedderten Situation überhaupt noch für die Leitung der Kunsthalle bewerben will, ist derzeit eine der offenen Fragen? Bleibt derzeit das altbekannte Weiter so.

Als künftige Ausstellung kündigt die Kunsthalle aktuell an: „Verschiebung der Sanierung 28.1.2026 – 1.1.2029“. Alicia Holthausen, kommissarische Leiterin der Kunsthalle klagt: „Für März 2026 hatten wir mit Bye Bye Grabbeplatz einen Abschied geplant, für den sich rund 130 Düsseldorfer Künstler*innen und Kollektive beworben haben.“ Ab April 2026 sollte der Auszug sich das Interimsprogramm „Die Kunsthalle schließt – Willkommen zum Opening“ in alle Stasdtteile verflüchtigen. Daraus wird nun vorerst nichts. Kein Abschied, kein Auszug, eine rieige Baugrube, ein Gesamtmaßnahmenpaket und kein Ende in Sicht.

Wenn man eine Vorlage suchte, wie man eine Kunsthalle – einst international renommiert, in der Kunstwelt hoch geschätzt – abwirtschaften kann, müsste man nach Düsseldorf blicken. Der Grabbeplatz, einst Drehscheibe der Kunststadt, ist derzeit ein Schandfleck.

Erst abwirtschaften, dann kaputtsanieren. Wer hat hier welche Interessen im Spiel? Vorschlag: Man könnte, derzeit, den Betonklotz auf dem Grabbeplatz auch als Fels in der Brandung sehen. Die Flut steigt, ob da die Kunsthalle wieder zum vibrierende Zentrum der Kunststadt Düsseldorf werden kann, wird man denen vom düsseldorfer Gesamtmaßnahmenpaket gewiss nicht zutrauen.

Hat gut Lachen. Sebastian Baden in der „Schirn temporär“

Kurzer Blick nach draußen. Auch Frankfurt am Main muss seine Kunsthalle sanieren. Kosten über 40 Millionen Euro. Als das in Frankfurt bekannte wurde, machte man sich sogleich auf die Suche nach einem Ausweichquartier. Das wurde auch schnell gefunden. Mit Sebastian Baden konnte ein junger, aufstrebender Direktor anfangen. Die Sanierung des Stammhauses am Römer wird bis 2028 dauern, oder eben länger. Die SCHIRN temporär macht derweil in der ehemalige Dondorf Druckerei in Bockenheim Programm. Es lohnt den Umweg.

ein Kommentar von C.F. Schröer


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