Die Masche mit der Kunst
Kunst und Mode beim “strike a pose – Festival für Kunst, Mode und Style“ in Düsseldorf

Aleksandra Kurkowski & Anna-Maria Bogner, Foto: Johannes Bendzulla

 von Julia Stellmann

Kunst und Mode – zwei eng miteinander verbundene Themenfelder, liegen ihre gemeinsamen Wurzeln doch in der Kreativität begründet. Eine Verbindung beider Bereiche fand letztes Wochenende mit  strike a pose – Festival für Kunst, Mode und Style in Düsseldorf statt. 15 Düsseldorfer, Kölner und Bonner Galerien beteiligten sich an dem Festival und brachten innerhalb vielgestaltiger Kooperationsprojekte Künstler*innen mit Designer*innen zusammen. Die Düsseldorfer Galerien bedienten sich dabei ihrer eigenen Räumlichkeiten, die Kölner und Bonner Galerien präsentierten ihre Kooperationen zentral auf der Piazza des K21. Organisiert wurde das Festival von Robert Danch und Ljiljana Radlovic, die sich seit vielen Jahren für das Galeriewochenende Düsseldorf Cologne Open Galleries verantwortlich zeigen.

Mode ist ein Thema, das in der Kunst immer wieder eine Rolle spielt, denkt man nur an die typischen Outfits von Joseph Beuys oder Markus Lüpertz, deren Kleidung eine Art Markenzeichen bildete und einen universellen Wiedererkennungswert versprach. Rosemarie Trockel erlangte in den 80er Jahren nicht nur mit ihren Strickbildern in einer männlich dominierten Kunstwelt Bekanntheit, sondern fotografierte auch kürzlich erst die aktuelle Frühjahrskollektion der Modemarke Bottega Veneta. Auf der anderen Seite bedienen sich Designer*innen immer wieder der Kunst in ihren Kollektionen. Unvergessen ist die von Piet Mondrian inspirierte Kollektion von Yves Saint Laurent 1965 oder Bildzitate von Andy Warhol bei Gianni Versace. Warhol, selbst Stilikone, begann als Illustrator für das Modemagazin Harper’s Bazaar seine Karriere und verband in Aussagen Namen von Designer*innen mit den Worten „große Kunst“. Eine Provokation, damals wie heute, wird mit der Kunst doch Originalität, Zeitlosigkeit und Freiheit assoziiert. Mit Mode kommen uns dagegen Vokabeln wie Massenware, Oberflächlichkeit und Zweckmäßigkeit in den Sinn. Ein Gegensatz zwischen high und low culture, den die Pop Art ihrer Zeit aufzulösen suchte.

Mama Bed, Julia Scher. Installation view: „American Promises“, New York, 2019, Foto: Timothy Doyon

Beim Flanieren über die Piazza des K21 stießen die Besucher*innen am Wochenende schnell auf ein Bett, das sichtlich Irritationen hervorrief. Auf der Schlafstätte waren Kleidungsstücke des Lingerie-Labels Opaak und ein iPad zu finden, auf dem sich ein Video der Modemarke abspielte. In einer von der Kölner Galerie DREI initiierten Kollaboration verband sich hier der Blick der Künstlerin Julia Scher mit dem der Designerin Agathe D. Muffert. Scher, in deren Werke das Bett eine zentrale Rolle spielt, lädt in ihren Ausstellungen Besucher*innen ein, auf der Matratze Platz zu nehmen, es sich gemütlich zu machen. Schnell werden die Interessierten sich aber Objekten wie Lederpeitsche, Kamera und Bildschirmen bewusst, in deren Kombination Scher Gedanken an Voyeurismus, Lust und Schmerz aufruft. Die Inszenierung des weiblichen Körpers in der digitalen Welt gehört auch zum Alltagsgeschäft der Designerin Muffert. Statt eines Buches wandert heute das iPad mit ins Bett, wird der digitale Raum Teil des Schlafzimmers. Zwischen Verführung und Überwachung ließ uns die Kooperationsarbeit über neuartige Fragestellungen rund um den weiblichen Körper im digitalen Raum sinnieren.

We never grow tired of each other, Erika Hock, Installationsansicht bei Cosar HMT

In der Galerie Cosar HMT bot die bestehende Ausstellung von Erika Hock eine Bühne für Werke der Modedesignerin Marion Strehlow. Hock beschäftigt sich innerhalb ihres Werkes selbst mit dem Thema der Stofflichkeit, wenn aus farblich bedruckten Einzelschnüren raumgreifende Bildtableaus entstehen. Die semi-transparenten Fadenvorhänge funktionieren dabei als eine Art „Hosting Structure“ für die Arbeiten anderer Künstler*innen. Innerhalb der begehbaren Installation mit dem Titel „We never grow tired of each other“ bilden sich architektonisch anmutende Farbräume, in denen Strehlow ihre avantgardistische Mode platzierte. Die explizite Stofflichkeit von Hocks Arbeiten wird sinnlich erfahrbar, indem es Besucher*innen erlaubt ist, durch die Vorhänge hindurchzugreifen, sie haptisch mit den Fingerspitzen zu ertasten. In einem Wechselspiel aus Ver- und Enthüllung bilden sich zwischen Werk und Wand schmale Gänge, die an Laufstege erinnern, eine Bühne für die Kleidungsstücke von Strehlow bereiten.

Bei wildpalms trafen die Festivalbesucher*innen auf eine Kollaboration zwischen Angelika Kammann, die 2020 das Label SOCIÉTÉ ANGELIQUE gründete, und der Künstlerin Beatriz Eugenia Diaz. Kammann möchte nicht nur mit einem Mix aus casual, androgyn und floral-verspielt überzeugen, sondern setzt sich auch intensiv mit einem neuerlichen Bewusstsein für Mode auseinander. In jedem ihrer Teile ist ein Mikrochip oder QR-Code integriert, der nachvollziehen lässt, wo und wie die Kleidungsstücke produziert werden. Eine Vorgehensweise, die gut zu den Arbeiten der kolumbianischen Künstlerin passt, in deren Werke Utopien von einer nachhaltigen Welt ein Echo finden.

Ganz nah am Puls der Zeit war auch das Rahmenprogramm des Festivals verortet. Das begleitend stattfindende Symposium „The New Normal: Green Fashion“ beschäftigte sich mit aktuell dringlichen Fragen von Nachhaltigkeit, Fair Fashion und Entrepreneurship. Angesichts der drohenden Klimakatastrophe blickte das Symposium kritisch auf den enormen Ressourcenverbrauch der Modeindustrie, die nicht nur einen erheblichen Anteil an der Verschmutzung der Umwelt hat, sondern zusätzlich in weiten Teilen höchst ausbeuterische Arbeitsbedingungen verantwortet. Zusätzlich konnten Interessierte verschiedene Talks besuchen, innerhalb derer Mode-, Fotografie-, Musik- und Kunstschaffende zu branchenspezifischen Herausforderungen Stellung bezogen.

Das „strike a pose“ Festival bot den beteiligten Akteur*innen die Möglichkeit eine Pose einzunehmen und ihren angestammten Rollen in der Kunst- und Modewelt für die Dauer des Festivalwochenendes zu entschlüpfen. Dabei wurden alte Verbindungen zwischen Kunst und Mode aufgegriffen und neue geschaffen. Zugleich erschöpfte sich das Festival nicht in blinder Bewunderung, sondern setzte sich innerhalb des Begleitprogramms auch kritisch mit der Modeindustrie auseinander. Ein Dialog zweier Themenfelder, der nirgends besser stattfinden konnte als in der Mode- und Kunststadt Düsseldorf.

 

Redaktion Anke Strauch


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