Oh my dear!

~ Von Carl Friedrich Schröer, 17.12.2020 ~

Heilige Cäcilia. Blasorchester Mutscheid angetreten

Über die Nähe der Bücher zur Kunst unserer Tage ist viel zu wenig gesagt worden. Der digitalen Revolution könnte beides zum Opfer fallen. Da ist es gut, sich an Erhard Klein zu erinnern, den Bücherfreund und Künstlerfan.

Klein begann als Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Bonn, wurde in Bonn zum Galeristen, später in Mutscheid/Eifel so unterschiedlicher Künstler wie Rupprecht Geiger, Joseph Beuys, Blinky Palermo, Sigmar Polke, Imi Knoebel, Irinna König, Ulrich Rückriem, Katharina Sieverding, Martin Kippenberger, Georg Herold u.v.m. Hoch geschätzte Editionen, die er verlegte, zeugen von seiner Liebe zu den Drucksachen wie zu den Künstlern.

„Beuys und Polke habe ich komplett“, schätzt Klein, der mit seiner Frau Elke, ebenfalls Bibliothekarin, heute in Neuwied lebt. Gemeint ist seine Sammlung von Katalogen und Künstlerbüchern, an die 3000 Exemplare allein dieser beiden Klein-Künstler, „ein ganzes Zimmer voll“. Eine Beuys-Bibliographie aller zu Beuys je erschienen Titel weltweit hat er erstellt und sie dem Museum Schloß Moyland kostenlos zur Verfügung gestellt. Dort liegt sie auf Eis. Seit Jahren warten wir auf diese Veröffentlichung.  

Seltene Exemplare. Richard Tuttle Kataloge und Künstlerbücher, © Ann Christine Freuwörth

In Mutscheid fand Klein einen Mitarbeiter, Christian Lethert. Der junge Mann wurde sein Assistent und gründete später seine eigene Galerie in Köln. Wenn Lethert jetzt Kataloge und Künstlerbücher von Richard Tuttle aus der Sammlung Erhard Klein zeigt, ist das mehr als ein Dank an sein Vorbild. Es gibt ein Beispiel davon, wie eng Bücher und Kunst sich gegenseitig durchdringen.   

„Über 90 Bücher und Kataloge habe ich von Tuttle. Nur die ganz frühen fehlen mir.“ Die kosten auf der Art Basel an die 20.000 Dollar. Klein reiste Ende der 70er Jahre nach Santa Fe und New York. „Da war ich sowieso der King“, schwärmt Klein. Lonesome Cowboy hieß die Ausstellung damals in New Mexiko, „ich kaufte gleich die halbe Ausstellung auf.“

Bücherschau, Richard Tuttle bei Lehtert, © Ann Christine Freuwörth

In Bonn kam es zu einer Tuttle-Ausstellung, natürlich mit einer Tuttle-Edition. Der sehr amerikanische Künstler und der sehr rheinische Galerist schlossen Freundschaft. Erst letzten Sommer trafen sie sich in Köln wieder, als Tuttle zu seiner Ausstellung bei Lethert anreiste.

Christian Lethert wiederum kommt von der Musik. Im Blasorchester Mutscheid übernahm er die Tuba. In diesem Jahr wählten sie Lethert zum 1. Vorsitzenden. Mittlerweile ist er zur Trompete gewechselt. „Uns blutet das Herz und unser Verein steht vor einer bisher nie da gewesenen Herausforderung, aber wir handeln zum Schutze unserer Gäste und Helfer verantwortungsvoll wenn wir GLÜCKSTAL 2020 absagen. Diese Entscheidung tut mehr als weh und war in der fast 60jährigen Geschichte des Wald- und Wiesenfestes noch nie da“, heißt es auf der Webseite.

 

Bleibt die Hoffnung auf eine neue Runde mit Büchern. Christian Lethert will alle Beuys-Vorzugsausgaben der Bücher und Kataloge aus Kleins Sammlung im nächsten Frühjahr zum Beuys-Jahr ausstellen.

“Schöne Grüße, Erhard. Muss gleich zum Friseur“, schreibt Klein. Hoffentlich kann dann auch das Blasorchester Mutscheid endlich wieder aufspielen.

 


 

 

 

 

 

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