Was von Corona übrig blieb
Magnus 31 zeigt Perspektiven


~ Von Carl Friedrich Schröer, 26.11.2020 ~


Wir blicken in leere Schaufenster und spiegeln uns. „See You soon“, lesen wir auf Zetteln, die hintern den Glasscheiben liegen und vergilben. Wie viele der „Geschäfte“, Shopping Malls, der Cafés, Restaurants und Clubs überhaupt wieder öffnen?  Wenn, ja wenn…   


“Was kommt nach dem Einzelhandel?” fragt schon mal StadtBauKultur NRW.

Alle Zahlen zum Wachstum des Onlinehandels und zu den aktuellen Auswirkungen der Corona-Pandemie, zeigen, dass man sich auch in Bestlagen, wieviel mehr in Klein- und Mittelstädten, der „prägenden Präsenz“ des Einzelhandels verabschieden muss.

„Diese Erkenntnis ist vor allem deshalb so schmerzlich, weil es an positiven Zukunftsbildern fehlt.“ Als da wären? – Umnutzung leerstehender Ladenlokale und der Umbau von Warenhäusern und Einkaufscentern. Auf ihrer Instagram und Facebook-Serie zeigen Baukultur NRW https://baukultur.nrw Best-Practice-Beispiele, Experten-Interviews und konkrete Handlungsoptionen für den Umbau leerstehender Ladenlokale und Warenhäuser. Schon weit vor Corona hat StadtBauKultur NRW die Studie “Einkaufsstraßen neu denken – Bausteine für neue Perspektiven” bei Rolf Junker und Holger Pump-Uhlmann in Auftrag gegeben. Ihr Leitfaden führt in eine ungewisse Zukunft.

Im Leerstand sehen die Planer, klaro, auch Chancen. Vielleicht diese: Gibt es weniger Geschäfte in den Städten, fallen auch die gröbsten baulichen Scheußlichkeiten flach: Die Parkhäuser. Welch ein Potential für Transformationen für eine ökologische Stadt!

Constantin Meyer treibt sich schon seit Jahren in Parkhäusern herum. Der Kölner Fotograf hat zahlreiche davon in eindrucksvollen Aufnahmen festgehalten: Ödnis pur, Freiflächen in Bestlage. Weder Menschen noch Autos sind gegenwärtig.

Magnus 31 (WILKIN&HANRATH BAUPHASEN, Köln mit LILL + SPARLA Landschaftsarchitekten, Köln) ist ein erstes Beispiel, wie sich ein Parkhaus in ein Parkhaus verwandeln lässt. Hier wurde ein unbelebter Fremdkörper aus der autogerechten Stadtplanung verwandelt und trägt nun zu einer neuen Lebendigkeit der Stadt bei.

Anderes Beispiel vom Stadtrand: Der Ruinengarten in Düsseldorf von Volker Püschel. Erst jetzt mit dem nrw.landschaftsarchitektur.preis 2020 ausgezeichnet. Wenn es mit der Einkaufscenter und Shopping Mall-Umwandlung nicht ganz so schnell klappen sollte, wäre Püschels Ansatz doch reizvoll. Oder eben doch Joseph Beuys, dessen Wortwitz „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ heute visionär klingt. Im Jahr 100 nach seiner Geburt (12.Mai 2021), wird Beuys aktueller denn je.

Laßt Gräser aus Ruinen spriessen… Ruinengarten Düsseldorf von Volker Püschel

 


Die Feier musste Christian Nagel absagen. Am 26. April 1990 eröffnete er zeitgleich mit der Köln Show seine erste eigene Galerie in der Brabanter Straße. Das 30jährige Galeriejubiläum findet jetzt auf Instagram statt. Als chronologische Revue durch die aufregenden Nagel-Jahre.

Draxler + Nagel an ihrem Stand auf der ART COLOGNE

1990, aus seiner Heimatstadt München kommend (Magisterarbeit „Die Entstehung der Avantgarde-Galerie in Frankreich 1830 bis 1914“), war die Berliner Mauer gerade gefallen, Köln aber erlebte mit der Köln Show einen letzten Höhepunkt. Die alte Kölner Garde – Stünke, Zwirner, Maenz, Ricke – war dabei abzutreten. Nagel wurde zur zentralen Figur einer neuen Generation, die noch einmal versuchte, vom Rheinland aus die Felder zu bestellen. Der kantige Magister mit kulturpolitischem Essprit stieg in Köln schnell zum Centerplayer einer von Selbstzweifeln und Schwindsucht befallenen Kölner Galerienszene auf. Am Ende mochte auch er sich dem Sog nach Berlin nicht entziehen.

Dort zählte er bereits 1996 zu den Mitgründern des Art Forum. Zwei Jahre später betrieb er zusammen mit Karola Grässlin und Alexander Schröder die legendäre INIT-Kunsthalle in einem leerstehenden Supermarkt in Mitte. Da war vielleicht was los. Von Berlin aus organisierte das Trio Ausstellungen selbst in Athen und Moskau. Was Rang und Namen hatte – von Franz Ackermann bis Heimo Zobernig, von Peter Doig bis Neo Rauch – machte mit bei der INIT-Partie. 2002 bezog Nagel großzügige Galerieräume am Rosa-Luxemburg-Platz.

Zur Eröffnung in Köln hatte Nagel Cosima von Bonin vorgestellt, damals ihre erste Einzelausstellung. Es folgten Michael Krebber, Joseph Zehrer, Christian Philipp Müller, Andrea Fraser, Hans-Jörg Mayer, Heimo Zobernig, Mark Dion, Renée Green, Clegg & Guttmann, Stephan Dillemuth, Kai Althoff, Josephine Pryde, Merlin Carpenter, Catherine Sullivan, John Miller. Ein anspruchsvolles, an internationalen Maßstäben orientiertes Programm wurde aufgezogen, dass dezidiert politisch motivierte Positionen vorstellte. Mit Martha Rosler, Adrian Piper und Stephen Willats kamen später bedeutende Vertreter der engagierten Konzeptkunst hinzu. In Köln unterhielt er nur noch eine „Reisebürogalerie“, gründete mit Saskia Draxler, seiner späteren Ehefrau, dafür eine Dependance auf der Lange Kievitstraat 145 in Antwerpen.

Heute betreiben Nagel+Draxler drei Galerien in Köln, Berlin und seit einem Jahr auch in München (Türkenstr. 43). „Seit Beginn kommt es uns auf Positionen an, die das kritische Potential der Reibungen zwischen Politik und Ästhetik, Inhalt und Form, Werk und Kontext lebendig erhalten“, lautet das N+D Credo. Möge es sich erfüllen.

Krawatte und Hosenträger. Christian Nagel (stehend r.) mit Kölsch und Peter Zimmermann

 

Schöne Grüße vom Eiskellerberg

 

 

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