„Sie heißen Felix?“

Zdenek Felix - die ganze Geschichte

Als einer der letzten lebenden „Ausstellungsmacher“ hat Zdenek Felix, 1938 in Prag geboren, die großen Umbrüche und Kunstrevolutionen der Zeit nach ´68 miterlebt und begleitet. Immer auf der Spur des Neuen, Ungewöhnlichen, Erregenden hat er die Auseinandersetzung mit seiner Gegenwart gesucht – und ist dabei selbst zum Zeitzeugen geworden. Die Neugier, der Entdeckergeist auch die Komplizenschaft mit der Kunst seiner Zeit hat er nie verloren.

 

Erstmals äußert sich der international renommierte Ausstellungsmacher über die Stationen seiner Karriere in Bern, Basel, Essen, München und Hamburg, wo er 12 Jahre lang die Deichtorhallen (beide Hallen zusammen) leitete. Aber auch über seine Kindheit im von Deutschen Truppen besetzten Prag handelt der Film. Sein Vater ging in den Widerstand, wurde verhaftet und in einem Nazi-Gefängnis ermordet. Er schildert seine Flucht im „Prager Frühling“ 1968 in den Westen und den Beginn seiner Laufbahn beim großen Harry Szeemann, der ihn an die Kunsthalle Bern holte, wo gerade die Ausstellung „when attitudes become form“ vom Stapel lief. Felix mittendrin. Ein kurzes Vergnügen, denn Szeemann schmiß schon bald im Streit über eine Beuys-Ausstellung die Brocken hin. Felix wurde Interminsdirektor. Heute arbeitet Felix als Chefkurator für das von der privaten Kunststiftung Arthena geführten Kai 10 in Düsseldorf, wo er zahlreiche erfolgreiche Ausstellungen kuratieren konnte.

 

 

Felix gilt besonders nach seinen Ausstellung im Folkwang Museum in Essen seit 1970erJahren u. a. zur Arte Povera (Mario Merz, Guiseppe Penone, u.a.), Hans-Peter Feldmann (1977), Werner Büttner Martin Kippenberger und Albert Oehlen („Wahrheit ist Arbeit“) zu den Trendsettern im bundesdeutschen Kunstbetrieb.

 

Der Film fragt, was es mit dem vermeintlichen Entdeckergeist, dem immer wieder gerne zitierten Spürsinn nach Talenten auf sich hat. Auch die Position des Kunstvermittlers/Kurators zwischen den Ansprüchen der Künstler, des Publikum und Geldgebern kommt zur Sprache. Am Ende kommt die Person Zdenek Felix und seine Rolle als Ausstellungsmacher in einem gewandelten Kunstbetrieb zur Sprache. Seine Antwort: “Vielleicht sind die Künstler die besseren Kuratoren. Oder auch wieder nicht. Denn sie denken ja zuerst nur an ihr eigenes Werk.“   

 

 

In der Reihe TALKING HEADS:

„Mein Name ist Felix. Zdenek Felix – die ganze Geschichte“ 52 Minuten, Dtl. 2015 - eiskellerberg.tv-production 

 

 

10.09.2015 16:21 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen

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