Übertage: Mit der Internationalen in die Tiefen der Moderne

Ein Besuch auf der Manifesta 9

Die Manifesta 9 im belgischen Genk will nichts Geringeres als „die Tiefe der Moderne“ ausloten, was angesichts so mancher zeitgenössischer Oberflächenreize verdienstvoll wie verlockend erscheint. Es war allerdings vielmehr der besondere Ort dieser European Biennial of Contemporay Art, eine bereits 1987 aufgelassene Steinkohlenzeche am Rande von Genk, der dieser Biennale in wechselnden Ländern Europas das Motto gab: Der Untertagebau – ein Motor der Moderne. Doch nicht in den über 150 km langen Stollen dieser größten Zeche Belgiens, André Dumont-sous-Asch, aus dem Jahr 1924 fand diese Manifesta ihren Ort, sondern übertage in dem monumentalen, 24.000 Quadratmeter messendem Zechengebäude, das Gaston Vautquenne im Art Deco Stil entwarf. Heute steht der imposante, vierstöckige Bau unter Denkmalschutz und leer. Wie keine ihrer acht Vorgängerinnen widmet sich diese Manifesta dezidiert der Vergangenheit des Ortes und Gebäudes in dem sie zu Gast ist. Der Steinkohlebergbau gibt die Folie ab auf der die Zeitgenössische Kunst agiert. „Die Ästhetik der Kohle und die Poesie der Restrukturierung“ heißt denn auch der Untertitel dieser Kunstausstellung, die weit in die Vergangenheit des Kohlezeitalters zurückführt und weit über die Grenzen der Kunst hinausführt. Dabei aber die Tiefen der Moderne höchst einseitig reflektiert.

 

Das wird gleich eingangs unüberhörbar und unübersehbar. Aus einen schwarzen Altar aus aufeinandergestapelten Lautsprecherboxen, „Monument to the Memory of the Idea of the Internationale“ (2010-2012) dröhnt und klimpert es vor dem Eingang zur Ausstellungshalle. “Die Internationale“, das alte Kampflied der Kommunisten erklingt als Soundtrack dieser Manifesta, als wären die Kumpels allesamt Kommunisten gewesen und ihre Arbeit der alleinige Zweck dieses Unternehmens. Oder ist dieses ideologisch befrachtete Lied aus dem Pariser Kommunetagen nicht vielmehr zum Leitsong der Manifesta 9 geworden, weil es der politischen Einstellung des Chefkurators entspricht? Cuauhtémoc Medina, ist ein mexikanischer Schriftsteller und Kurator der sich, wo es sich nur anbietet zum Trotzkismus bekennt.

Durch alle vier Etagen des runiösen Ausstellungsbaus wabert „Die Internationale“ und läßt kaum eine der vielen Installationen ohne diese Hintergrundmusik erleben.

 

Wir trafen Ni Haifeng, 1964 in Zhoushan, China geboren, inmitten seiner ausufernden Installation „Para-Production“ im ehemaligen gigantischen Ballhaus der Zeche. Wir sprachen mit dem kroatischen Künstler und bekennendem Kommunisten Nemanja Cvijanovic (geb. 1972 in Rijeka) über seinen interaktive Klanginstallation. Wir beobachteten Ante Timmermanns (1976 Ninove Belgien) bei seiner sisyphotischen Arbeit des Auftürmens eines Hügels aus ausgestanzten Papierresten. Wir bewunderten mit Kuai Shen seine Ameisenkolonie "Oh!m1gas". Wir wurden auf die Kölner Modedesignerin Eva Gronbach aufmerksam, die Bergmannskleidung einer Ruhrgebietszeche zum Label „german jeans“ umschneiderte und nicht zuletzt konnten wir Hedwig Fijen, die Direktorin der Manifesta, nach den Aussichten auf Überlebensfähigkeit der Europäischen Biennale unter dem Vorzeichen einschneidender wirtschaftlicher Umstrukturierungen fragen.

eiskellerberg.tv im Gespräch mit Hedwig Fijen:

 

               

 

 

Dank an:

Hedwig Fijen, Ni Haifeng, Nemanja Cvijanovic, Ante Timmermanns, Kuai Shen, Eva Gronbach und Kathrin Luz

 

06.06.2012 16:37 (Kommentare: 1) | Weiterempfehlen

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Kommentar von Wolfgang Schäfer | 11.06.2012

Danke für den informativen Bericht. Kunst die verbindet, die ihre Aufgabe als Brücke zwischen den Menschen wahrnimmt.