There’s a crack in everything, that’s how the light gets in

Je heller die Scheinwerfer, desto weiter streuen sie ihr Licht. Kaum machte die Nachricht die Runde, daß Bob Dylan, am 24. Mai 1941 als Robert Allen Zimmerman in Duluth, Minnesota geboren, den Nobelpreis für Literatur 2016 zugesprochen bekommt, rückten auch andere Oldies der Gattung Singer-Songwriter ins Rampenlicht. Wer nun aber der größte Poet unter ihnen ist? Dylans Texte sind  in einer Gesamtausgabe auf Deutsch in der Übersetzung von Gisbert Haefs erschienen. Dylan gilt forthin als der König unter den Liedsängern. Bruce Springsteen (geb. 23. September 1949 in Long Branch, New Jersey) hat seine Lebensbeichte Born to Run vorgelegt, Wolf Biermann (* 15. November 1936 in Hamburg) Liedermacher und Lyriker hat seine Autobiographie, die Züge einer Abrechnung mit manchen Lebensgefährten trägt, unter dem Titel Warte nicht auf bessre Zeiten! veröffentlicht.

 

Leonard Cohen, Singer-Songwriter, Dichter und Romancier, Mönch und Gentleman hat es da vorgezogen ganz oben im „Tower Of Song“ sein Zimmer zu beziehen. Am Morgen des 7. November 2016 starb er in Los Angeles.

Als Leonard neun Jahre alt war schrieb er zum Tod seiner Mutter ein kleines Trauergedicht und vergrub es im Garten bei den Stiefmütterchen. Schmalfilmaufnahmen zeigen ein  glückliches Kind auf dem Dreirad im Garten, daneben die Mutter, viril und lachend. Der Student verbrachte die Nächte auf der dunklen Seite der Stadt, in den Jazz-Klubs von Montreal. 1956 erschien sein erster Gedichtband, „Let Us Compare Mythologies“, der ihm ein Stipendium und Literaturpreise einbrachte. Eine Weile spielte Cohen den Partisanen auf Kuba, taugte aber wenig zum Revolutionär, genoss dafür die Schönheit der Frauen von Havanna.

Anfang der Sechzigerjahre ließ er sich auf Hydra nieder, einer Insel in der Ägäis, wo er Romane wie „The Favourite Game“ und „Beautiful Losers“ und auch erste Songs schrieb, darunter „Suzanne“. Die Schwedin Marianne Ihlen, mit der er in einer kargen Unterkunft zusammenlebte, verewigte er in dem Stück „So Long, Marianne“. 1967 kehrte Leonard Cohen nach Amerika zurück und debütierte beim Newport-Folk-Festival.

Der Dokumentarfilm „Beautiful Losers“ zeigt den kalmierten Buddhisten (sieben Jahre lang war Cohen in ein Kloster in Kalifornien gezogen), der mit den Zumutungen des Lebens abgeschlossen hat. Doch 2001 veröffentlichte Cohen „Ten New Songs“ – seichte und sedierte Stücke. Im Jahr 2008 kehrte er auf die Bühne zurück, nachdem ihn seine Managerin um angeblich sieben Millionen Dollar, sein gesamtes Vermögen, gebracht hatte. Altersmild lupfte er seinen Fedora-Hut, sang die alten Balladen, schlich um die Musiker und die drei Chorsängerinnen herum und vergaß nie seinen Aphorismus: „There’s a crack in everything, that’s how the light gets in.“


Zum 80. Geburtstag schenkte Cohen sich und uns ein neues Album, „Popular Problems“, und suggeriert uns mit gurgelnder Grabesstimme: „It’s not because I’m dead/ It’s not because I’m old/ I always liked it slow/ That’s what my momma said.“ Nur zwei Jahre später liess er “You Want It Daker” folgen: If you are the dealer/ I’m out of the -game/ If you are the healer/ I’m broken and ­lame/ You want it darker, we kill the ­flame.

 

Cohens Texte sind von einer leisen, bestechenden Poesie, widmen sich der Liebe und der Unmöglichkeit zu lieben, sind voller Schmerz  und Finsternis, ohne sich je Pessimismus oder Weltuntergangsseligkeiten auszuliefern. Zwischen 1956 und 2016 schrieb Cohen (21. September 1934 in Montreal geboren) zahlreiche Romane und Gedichtsammlungen, brachte 14 Studioalben, einige Live-Alben und Kompilationen heraus. Sein letztes Album You Want It Darker erschien am 21. Oktober, drei Wochen vor seinem Tod. Darin verewigt er das eigene Verschwinden. Der Rolling Stone widmet diesem großen Künstler in der aktuellen Ausgabe ein großartiges Feature: „Er war unser Mann“.

22.12.2016 16:31 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen

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