Der Putsch der Rektorin

Rita McBride spricht von „kollegialer Zusammenarbeit“. Machtkampf an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf

 

Rita McBride meint es ernst. Das Problem ist nur, daß niemand an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf die so offensiv sympathisch wirkende Künstlerin aus den USA besonders ernst nahm. Das hat sich zwei Jahre nach ihrer Rektoratsübernahme ziemlich geändert. Gründlich sogar. Zumindest nimmt man den Fall McBride jetzt ernst. Denn der Schaden für die Akademie droht größer zu werden, je länger die Rektorin im Amt bleibt.

 

Ihren Machtanspruch hat sie mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit vorgetragen, daß vielen ihrer verschnarchten Kollegen erst die Spucke wegblieb, dann Angst und Bange um ihre gute alte Kunstakademie wurde, die sich doch lange, allzu lange als die führende in Deutschland wähnte. Wer einen Ruf nach Düsseldorf erhielt, durfte sich getrost zur Künstlerprominenz im Lande zählen, was nebenbei dem Marktpreis ordentlich Auftrieb verschaffte. Aber Knatsch im Olymp - das will doch wirklich keiner. 

 

Der Eiskellerberg ist tatsächlich der letzte Olmyp auf deutschem Boden, wo man, verbeamtet dazu, auf Unsterblichkeit hoffen darf. Gut dotiert ist der Job zu Lebzeiten schon. Aber Krach über den Wolken ? – Das erschüttert das ganze Gebilde.

 

Gleich zu ihrem Amtsantritt am 1. August 2013 bescheinigte McBride der Düsseldorfer Akademie forsch, noch im 18. Jahrhundert zu stecken. „Und ich würde gerne das 21. Jahrhundert erreichen und, warum nicht, die Akademie auf das 25. Jahrhundert vorbereiten.“ Solch radikaler Optimismus hatte sie an die Spitze der Kunstakademie getrieben, weil sich keiner der anderen vier Kandidaten und Kandidatinnen das Amt an die Karriere hängen wollte. Also war es an ihr, für frischen Wind zu sorgen. „Internationaler“ sollte es werden. Da passte es vorzüglich, daß die neue Rektorin aus Amerika stammt und nichts als Englisch spricht. Wer mit ihr sprechen will, muß sich schon bequemen, sein Englisch zu polieren. Das ist kaum anders als auf vielen Business Schools und auch in vielen amerikanisch geführten Unternehmen. Für eine Kunstakademie mag das zu Problemen führen. Amtsprache ist hier Deutsch.

„Generationswechsel“ lautet ein anderes Keyword. Obwohl McBride keineswegs mehr zu den jüngeren Professoren zählt, erscheint sie mühelos jugendlicher als der Malerfürst Markus Lüpertz oder der Bildhauer Tony Cragg, von denen sie das Amt übernahm. Und sie ist weiblich. Die Frauenquote soll auch in dieser Institution erhöht werden, was die Zahl der Studentinnen wie die der Professorinnen betrifft. Mit international, jung und weiblich hielt McBride gleich drei Trümphe in der Hand. Auf dem Durchmarsch ins 25. Jahrhundert schien sie nichts mehr aufzuhalten.

 

Einmal Rektorin, übernahm sie wie selbstverständlich das Ruder, bestimmte den Kurs, schloß Verträge, verfügte über Kassen und übernahm die Berufungen im Alleingang. Das ging solange gut, bis der ihr gefügige Kanzler der Akademie eine Verlängerung seines Vertrages anstrebte. Doch der Senat, ein gewähltes Gremien aus Professoren und Studentenvertretern, wollte seinen Vertrag wegen mangelhafter Amtsführung nicht verlängern. Also beschloß er eine Neubesetzung. So kam es Ende Oktober zu einer ersten Konfrontation. McBride reagierte mit unerwarteter Entschlossenheit. Weil der Senat sich nicht fügig zeigte, sogar gleich fünf ihrer Vorschläge mit großer Mehrheit ablehnte, schaffte sie den Senat kurzerhand ab. Jedenfalls wollte sie keine weiteren Senatssitzungen mehr einberufen. Wozu Senat, wenn es eine Rektorin gibt? In der besagten Senatssitzung ging es ungewöhnlich hitzig zu, und für einen Augenblick entrutschte ihr das sympathische Lächeln: „I hate the Senat“ hallte es über den Flur.

 

Der Putsch der Rektorin gegen die oberste Versammlung der Akademie nahm seinen Lauf. Eigentlich ist es die vornehmste Pflicht der Rektorin, die Beschlüsse des Senats umzusetzen. Doch die dachte nicht daran. Der Senat wiederum änderte mit großer Mehrheit seine Satzung und kann künftig selbst Senatssitzungen einberufen, sofern ein Drittel der Stimmberechtigten es wünscht. Und das tat er sogleich. Weil die Rektorin sich mehrfach weigerte, die Beschlüsse dieses obersten Akademiegremiums umzusetzen – der designierte neue Kanzle wurde von ihr nicht informiert, Gregor Schneiders Berufung auf einen Lehrstuhl für Bildhauerei zögerte sie hinaus (immerhin wird Schneider durch die gleiche Galerie vertreten, bei der auch McBride ist) - erteilte der Senat ihr eine förmliche Rüge.

 

Auch das Rektorat, neben der Rektorin bilden die beiden Prorektoren Johannes Myssok und Robert Fleck und der Kanzler das vierköpfige Rektorat, wurde von McBride überspielt. Solange jedenfalls, bis den Prorektoren ihre satzungsgemäße Aufgabe in Erinnerung gerufen wurde, nach der sie die Aufsicht über die Rektorin innehaben. Auch das Rektorat stellte sich mehrheitlich gegen die ziemlich einsamen Entscheidungen der Rektorin. Wie lange das eine Akademie aushält?

 

Längst ist auch das Wissenschaftsministerium NRW auf die Vorgänge in der Akademie aufmerksam geworden und schon in die besagte Senatssitzung wurde mit Monika Schneidereit, die zuständige Referatsleiterin, abgesandt. Als McBride die Beamtin der Akademieversammlung als seltenen Gast vorstellte, soll Schneidereit geantwortet haben, sie sei nicht Gast, sondern Aufsicht.  

 

Vorausgegangen waren diverse Treffen im Ministerium, bei denen versucht wurde, McBride ihre Amtspflichten zu verdeutlichen. Der Versuch, die Alleinherrschaft am Eiskellerberg zu übernehmen, muss als gescheitert gelten. Waren es Sprachprobleme, Kommunikationsschwierigkeiten oder bloße Unkenntnis deutscher Hochschulgesetzgebung? Oder ist es doch eher die Selbstüberschätzung einer großen Künstlerin?  

 

Was man bei all dem Zwist vermisst, ist ein Plan McBrides, ein schlüssiges Konzept, oder zumindest eine verlockende Vision, wohin es mit der Kunstakademie gehen soll. Offenbar kämpft sie aber nicht für ein Programm und nicht für eine Reform. Jedenfalls hat sie bislang kein derartiges vorgelegt. Geht es also um Macht und Machterhalt?  

 

Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem die Rektorin die Gremien ihrer Akademie gegen sich aufbrachte und das Ministerium intervenierte – und dies auch öffentlich wurde, hätte McBride ihren Rücktritt einreichen müssen – um weiteren Schaden von der Kunstakademie abzuwenden.

 

Warum aber lehnt sie das ab? Wie weit will Mcbride ihre Selbstbeschädigung noch treiben? Oder steckt ein Kalkül hinter der Destruktion? Längst hat sich das eine mit dem anderen unheilvoll verbunden.

 

In dieser Lage setzt McBride auf Waffenstillstand. In dieser Absicht schrieb sie nach all den Abmahnungen, den schwelenden Konflikten und vergiftenden Worten einen Versöhnungsbrief. Keinen persönlichen, sondern einen „Offenen Brief“. Sie postete ihn auf ihrer facebook Seite, entgegenkommender Weise in geschliffenem Deutsch. Mit ihrer Klasse weilte sie in der künftigen Dokumenta-Stadt Athen, am Tag ihrer Rückreise nach Düsseldorf liess sie von dort aus die Welt wissen: „Hier in Athen denke ich voll Zuversicht an die Akademie in Düsseldorf und schöpfe neuen Tatendrang, die anstehenden Aufgaben in kollegialer Zusammenarbeit mit meinen KollegInnen zu bewältigen.“ Stieg ins Flugzeug, um anderntags auf der Rektoratssitzung der Kunstakademie dem ganzen Ausmaß der von ihr angezettelten Verheerung ins Gesicht zu blicken. Zur Aufsicht hatte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) nämlich wieder die zuständige Beamtin abgeordnet, um sicherzustellen, daß die Rektorin den kollegialen Beschlüssen des Rektorats künftig auch Folge leistet. Auf der Web-Seite der Kunstakademie hatte sie zuvor ihre Verteidigung veröffentlicht: „Die Kunstakademie befindet sich unter Leitung von Prof. Rita McBride in einem selbstständig organisierten Zustand“ und weiter, „Prof. Rita McBride hat zu keinem Zeitpunkt das Berufungsverfahren des designierten Kanzlers behindert. Ähnlich verhält es sich im Falle der Neuberufung einer Bildhauer Professur.“ Doch das Rektorat mochte dieser Sicht der Zustände nicht zustimmen und zog den Text kurzerhand zurück. Mit einem schmalen „O.K.“ quittierte McBride die Beschlüsse.

 

Es bleiben ihr, wenn alles irgendwie gut geht, knapp zwei Jahre. Dann stehen Neuwahlen des Senats ins Haus und dieser wird im Sommer 2017 über die Verlängerung ihrer Amtszeit um weitere vier Jahre abstimmen, oder einen neuen Rektor aus seinen Reihen wählen.

 

Da kommt ein Spender aus den USA ins Spiel. Zu ihren großen Verdiensten rechnet es sich McBride an, über amerikanische Geldgeber üppige 500.000 Dollar für Reisen der Klassenverbände und sonstige Aktivitäten der Akademie an Land gezogen zu haben. Mit diesem Geld konnten einzelne Professoren und ihre Studenten weithin ins Ausland reisen. Doch ist die Rektorin nicht bereit zu benennen, wer hinter der Geldquelle steckt. Mcbride, sagen Kritiker, benutzt das Geld überdies als “Kriegskasse“. Sie ganz allein entscheidet bisher über die Vergabe. Man stelle sich eine derartige Praxis einmal an einer amerikanischen Hochschule vor. Ihre Wiederwahl könnte ein solcher Reisefonds natürlich absichern, übertrifft die Summe doch den freien Etat der Kunstakademie haushoch.

 

 

 

 

 

Rita McBride legt wert auf folgende Festellung:

"Anlässlich der Eröffnung des Rundgangs im Februar 2015 sprach die Rektorin erstmals öffentlich vom „Brenda R. Potter Kunstakademie Duesseldorf Fund for Community, Public Art and Travel“, der seit dem Amtsantritt von Frau Prof McBride JEDE Künstlerklasse sowie den Orientierungsbereich mit 8000 Euro für Studienreisen unterstützt. Bei verschiedenen öffentlichen Anlässen und Reden hat Frau Prof. McBride diese Informationen wiederholt. Ebenso hat sie den Senat zu jeder Zeit von den Aktivitäten unterrichtet, die durch den „Brenda R. Potter Kunstakademie Duesseldorf Fund for Community, Public Art and Travel“ ermöglicht wurden.

Bei der Eröffnung des Wintersemesters 2015/16 und der Eröffnung der Nan Hoover Retrospektive in der Akademiegalerie am 21. Oktober 2015 war Brenda R. Potter zudem persönlich anwesend und wurde in einer persönlichen Dankesrede von Frau Prof. McBride der Düsseldorfer Öffentlichkeit vorgestellt. Ebenso erfolgte an diesem Tag ein gemeinsames Mittagessen, zu dem alle ProfessorInnen der Akademie geladen waren."

Wir übernehmen den Text von der Pressestelle der Kunstakademie, ohne mit Brenda R. Potter in Kontakt getreten zu sein. Redaktion eiskellerberg.tv

 

 

 

Im Gegenlicht. Versammeltes Rektorat der Kunstakademie Düsseldorf. Rektorin Rita McBride, Prorektoren Johannes Myssok und Robert Fleck. Der abgelöste Kanzler Dietrich Koska am Mikro

 

Haupteingang zur Akademie

 

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12.11.2015 16:48 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen

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