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Robert Fleck: Gute Aussichten vom Dach der Bundeskunsthalle

Robert Fleck pflegt das Understatement. “Ich bin nur Handlanger der Künstler”, umschreibt er seine Rolle. Weit ist er schon herumgekommen. Der Handlanger ist vor einem Jahr zum Intendant der Bundeskunsthalle aufgestiegen. Mit dem eigenem Fahrrad fährt er vor seinem neuen Dienstgebäude vor, dessen Ausstellungsetat deutlich höher liegt als der des Restes der Kunsthallen in Deutschland zusammen.

 

eiskellerberg.tv traf Robert Fleck auf dem verschneiten Dach der Bundeskunsthalle. Er streifte sich nonchalant das Rennfahrertrikot über (Mondrian-Design), um sich ausdauernd den Fragen zu stellen und der Eiseskälte zu trotzen.

 

Als erste Ausstellung seiner Intendanz in Bonn hat sich Fleck 15 kapitale Sammler zeitgenössischer Kunst aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz ins Haus geholt, um – ausgerechnet im vollsubventionierten Staatsbetrieb Bundeskunsthalle – das “Engagement privater Sammlerinnen und Sammler” herauszustellen. Flecks Karriere begann Anfang der achtziger Jahren beim Wiener Kunsthandel (Nächst St. Stefan, Krinzinger und Grita Insam).

 

“Neugierig?” fragt die bunte Schau – und spielt gar nicht dezent auf die vornehmste Eigenschaft der Sammler an, ihre Neu-Gier. Mit “Neugierig?” will Fleck den Blick auch auf “die zentralen Fragestellungen der zeitgenössischen Kunst” lenken und dabei einen “Ausblick auf die bildende Kunst der kommenden Jahre” bieten.

 

Künftig sollen sogar regelmäßig bedeutende private Sammlungen aus ganz Europa in Bonn gastieren. - Was Fleck als Aufgabe der Bundeskunsthalle ansieht, will er sie doch zum “Schaufenster der Kunstlandschaft und ihrer zukunftsweisenden Faktoren” machen. Es geht um ein neues, entspannteres Verhältnis zwischen privaten Sammlungen und öffentlichen Museen. Wie können sie ihre angestammte Rolle als “Träger der historischen Kontinuität” und ihre Stellung als “Orte der Öffentlichkeit in der globalen kulturellen Konkurrenz des 21. Jahrhunderts” behaupten?

 

Fleck, 1957 in Wien geboren, liebt den Diskurs, wie er die Tradition schätzt. (Studienfächer u.a. Ästhetik, Kunstgeschichte, Geschichte, Philosophie, Sport und Geografie). Was die Kunst wie seinen Lieblingsport, das Radfahren, betrifft, ist er gleichermaßen austrainiert und passioniert. Auch kennt er erstaunlich wenig Berührungsängste. Es ist dem auf Langstrecken spezialisierten Radfahrer durchaus zuzutrauen, weder zum Handlanger der Sammler, noch der Berliner Politiker zu werden.

 

Dem schwer angeschlagenen Luxusliner Bundeskunsthalle, dessen Crew zudem heillos zerstritten war, will er zu neuem Glanz verhelfen. Kooperationen mit dem Museum of Modern Art (MoMA) und dem Guggenheim Museum sind bereits verabredet. “Vor allem ist mir wichtig, das Haus wieder in die erste internationale Liga zu bringen.” Aber weniger Event-Center mit angeschlossener Open Air Bühne. Fleck sieht Ausstellungen lieber als “Reflexionsfläche und Orte des Nachdenkens”. Neben großen monografischen Ausstellungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts will der Historiker Fleck auf tragende kulturhistorische Ausstellungen (Hausjargon “Gold und Steine”) keineswegs verzichten. In der Verbindung beider Publikumskreise liegt das Fernreiseziel des Luxusdampfers.

 

 

C. F. Schröer

 

 

20.06.2011 12:33 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen

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