Mach mal Pause
Thomas Schütte: Rente nicht in Sicht

Kein Zufall, dass mal keine Schütte-Ausstellung irgendwo in der Welt zu sehen ist. Dazu denkt und arbeitet Thomas Schütte zu planmäßig, zu strategisch. Im Januar soll der erste Spatenstich für den neuen, zweiten Pavillon auf seinem Gelände bei der Raketenstation Hombroich erfolgen. Später im Jahr wird dann die erste Einzelausstellung im MoMa folgen. Dann kann das Lager wieder einmal zeigen, was es in sich hat. Denn alle Schütte-Ausstellungen, ob nah oder in weiter Ferne, nehmen ihren Ausgang von hier aus: unterirdisch. Unter der lichten Skulpturenhalle liegt der Bestand und weil der sich beständig wundersam vermehrt, braucht es eine zweite Halle.

Auf luftiger Höhe. Thomas Schütte vor Skulpturenhalle

Jetzt ist aber erst mal nichts. Pause. Fast. Etwas einsam steht neuerdings „Mann ohne Gesicht“ vor dem Malkasten. Kaum zu glauben, es ist Schüttes allererste Arbeit im Düsseldorfer Stadtraum und auch die nur temporär und „nur so“, auf eigenen Antrieb und ganz ohne Baugenehmigung. “Treibhaus”, der vom Museum Kunstpalast angekaufte Schütte-Raum ist seit Jahr und Tag geschlossen, wegen Dachschaden.

„Mann ohne Gesicht“ – war da nicht mal Markus Wolf, der DDR-Meisterspion, für 33 Jahre Chef der Stasi-Spionage? Aber so genau mag es Schütte lieber nicht. „Ich versuche meine Arbeiten so zu machen, dass sie ganz verschiedene Lesarten erlauben.“ Die hünenhafte Gestalt, eine monumentale Bronze, läuft im Matsch. Ähnlich wie der noch weit größere Wünschelrutengänger in Oldenburg, wo Schütte 1954 geboren wurde. Alles Alter Egos? Krisentypen? Oder unentwegte Helden der Beharrlichkeit aus dem Merkelland?

Anspielungen liebt er, Humor ist immer im Spiel, Abgründe inclusive. Was derzeit in vielen Ländern passiere, könne man nur humoristisch sehen, sagt Schütte. „Politik zeichnet sich dadurch aus, dass niemand mehr wisse, wo rechts und links, oben und unten sei.“ Und hält sich die Politik lieber vom Leib.

Schon als Student der Düsseldorfer Kunstakademie hat er sich sein Grab gebastelt und sein eigenes Verfallsdatum gleich fixiert: 25.03.1996. Daraus wurde dann zum Glück nichts. Heute feiert Thomas Schütte seinen 65. Geburtstag. „Ich kann es mir nicht leisten, in Rente zu gehen, zu viel Arbeit.“ – Die neue Halle, die neuen Ausstellungen, die eigene Stiftung, die Kinder…

Wir wollen gratulieren, dem Mann mit den vielen Gesichtern.

Carl Friedrich Schröer

 

 

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