Karin Kneffels New York Premiere
„Flächendeckend“ heißt das Streikwort von UFO. Davon betroffen auch zwei Maler auf dem Weg nach New York

Goldnuggets trudeln schwerelos durchs Wohnzimmer. Oder sind es schillernde Tropfen jenes flüssigen Goldes, das wir profan Öl nennen, die da aus der Tiefe des Raums auf den Betrachter zufliegen?
Gemälde sind, wußte schon Alberti, der Oberfläche reinen Wassers ähnlich, auf der sich die dreidimensionale Welt in der Fläche abbildet. Im Gegegnsatz zur Spiegelung führt das Eintauchen in ein gemaltes Bild allerdings nicht dazu, dass sich Naziss im Widerschein verliert. Es bewirkt vielmehr seine Konstituiton als Subjekt. Mit der Entdeckung der Zentralperspektive, die für Kneffels Bilder eine neue Bedeutung erfährt, erhält der Betrachter einen speziefischen Bezugspunkt außerhalb des Bildes: er kann sich zu dem Bild in Beziehung setzten. Er gewinnt über das Spiegelbild eine erhabene, souveräne Stellung.

Alle 16 Gemälde ihrer ersten Ausstellung in New York sind wohlbehalten angekommen. Larry Gagosian, neben Marian Goodman, Hauser & Wirth und David Zwirner der zumindest flächenmäßig größte Galerist für zeitgenössische Kunst hat Karin Kneffel (geb. 1957) seine vornehmste Adresse, den 5th floor der 980 Madison Avenue auf Manhatten, reserviert. Auch der Düsseldorfer Fotograf Andreas Gursky wechselte unlängst zu Gagosian. Der in Kafilornien geborene Galerist betreibt neben seinem Stammhaus in San Francisco weitere elf Filialen weltweit.

Einen Tag nach dem geschichtsträchtigen Datum 9/11 soll die erste Ausstellung der Düsseldorfer Malerin bei Gagosian über die Bühne gehen. Die Erwartungen sind entsprechend hoch. Kneffel hat sich gut zwei Jahre auf diese Ausstellung vorbereitet und eine aufsehenerregende Folge von Großformten erarbeitet. 2 mal 2 Meter bis zu 3 mal 1,80 Meter messen die neuen Gemälde, meist ohne Titel, „untitled“.

Doch in Deutschland streikt UFO, die Gewerkschaft der Flugbegleiter. Die Künstlerin sitzt zu Hause auf gepackten Koffern und hofft, noch einen Flug nach New York zu erwischen. Die Aussichten stehen alles andere als gut. Am Freitag will UFO von 0 bis 24 Uhr streiken.

Auch Gerhard Richter, Mitte der achtziger Jahre Kneffels Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie, sitzt fest. Auch er will zu seiner Ausstellung bei seiner New Yorker Galerie. Ob er es nach New York schafft, steht noch in den Sternen. Bei Marian Goodman wird Richter neben neuen Strip-Paintings, ellenlange Streifenbilder, auch eine seiner seltenen Glassgebilde präsentieren. Mit Standing Glass Panels 2002/2011 greift Richter auf ein Medium zurück, das er zugunsten der Malerei in den letzten Jahren vernachlässigte.

 

 

Mit Karin Kneffel wird eiskellerberg.tv nach ihrer Rückkehr ein Filmportrait erarbeiten. Wir wünschen guten Flug.

 

 

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