Thomas Huber
DER ROTE FRIES

Bildräume, 2013, Öl auf Leinwand, 200 x 350 cm (Foto: Winfried Mateyka)

von Fabian Reifferscheidt

Etwas springt ins Auge. Ein aufdringlicher rosaroter Streifen, vom Boden bis zur Hüfte reichend, überzieht die sonst weißen Galeriewände. Schon beim Betreten der Galerie nehme ich unwillkürlich eine Spur auf, wie der Titel es verheißt. Mehr als ein schmückendes Detail, wie ich später noch erfahren werde.

Die Galerie präsentiert 37 Arbeiten in unterschiedlichsten Formaten. Doch haben alle Werke eines gemeinsam: Die Thematisierung des (Kunst-) Raumes. Das mit  200 x 350 cm größte Werk der aktuellen Ausstellung „Bildräume“, kann als eine Art Manifestation der künstlerischen Methoden Hubers gelesen werden. Was auf den ersten Blick wie die Darstellung eines vollgepackten Möbelhauses aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ein Raum voller Räume. Die vermeintlichen Regale, Schränke, Bilder und Tische sind jedoch nicht nur einfache Volumina, die eine gewisse Ausdehnung in die Tiefe beanspruchen, sondern vielmehr ordnungsgemäße Architekturkomplexe mit Raumfolgen und Türen. Inszeniert wird das surreale Interieur darüber hinaus durch ein aufwendiges Spiel der Perspektiven, die sich von Objekt zu Objekt neu zu justieren scheinen.

Installationsaufnahme: Der Rote Fries, 2013 (Foto: Cordia Schlegelmilch)

Highlight der Ausstellung ist für mich der bereits erwähnte erste Galerieraum mit dem roten Bodenfries. Die auffällige Wandgliederung schmückt nicht nur die Galerie, sondern findet sich im gleichen Farbton auf den meisten neuen Gemälden Hubers wieder. Erst jetzt wird mir die Geschlossenheit der präsentierten Serie bewusst, denn was als Gemäldeschau begann, offenbart sich als umfangreiche Installation. Huber gelingt es darin, Galerie, Rezipienten und Gemälde in einen spannenden Wirkungskreis zu binden, dessen Elemente sich assoziativ ineinander verschachteln und gegenseitig kommentieren. Langeweile kommt dabei nie auf, ist doch jedem Gemälde ein eigener spannender Impetus gegeben – auch wenn dieser in manchen Fällen schon mal schwer zu entschlüsseln sein mag. Die vom Künstler entwickelte Didaktik und der Dialog zwischen Gemälden und Betrachter stehen hier deutlich im Mittelpunkt und können mit Worten nur unzureichend erläutert werden.

Der Raum ist, in den Worten von Wolfgang Kemp, eine erkenntnistheoretische Universalie und damit eine unabdingbare Voraussetzung der Existenz und Verwirklichung auch von Bildender Kunst. Das weiß auch Thomas Huber und er versteht dies wie kein zwei

Der Rote Fries IX, 2013, Öl auf Leinwand, 45 x 90 cm (Foto: Winfried Mateyka)

ter Maler der Gegenwart zur Grunddisposition seiner Malerei zu machen. Aufbauend auf den Rauminszenierungen seiner Gemälde und unterstützt durch die aktive Einbindung des Rezipienten, entwickelt er eine charakteristische Form der Metakunst, in der der Raum und dessen Modifizierung zum Symbol für Prozesse und Möglichkeiten der Bildenden Kunst werden. Dabei verzichtet Huber auf jede Spur von Besserwisserei und moralischer Keule. Vielmehr entfaltet der Schweizer eine Art Plädoyer zugunsten eines spielerischen Auslotens und Überschreitens der Grenzen von Malerei. Hubers Serie gelingt es dabei, gleichzeitig humorvoll unterhaltsam, als auch intelligent fordernd zu sein.

Die besondere Form dieser Gemäldeausstellung mit ihrem Installationscharakter erlebe ich so zum ersten Mal. Äußerst dankbar angesichts dieser Horizonterweiterung kann ich den Genuss dieser Ausstellung nur jedem ans Herz legen.

Der Rote Fries IX, 2013, Öl auf Leinwand, 45 x 90 cm (Foto: Winfried Mateyka)

 

 

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